- Transzdeszendenz, Ökologie, Demokratie. Unsere Ressourcen im Angesicht von Krisen.
- Transdescendence, Ecology, Democracy.Our Resources in A Time of Upheaval. Mohr Siebeck, « Leopold-Lucas Preis », 2026.
Lien au texte sur le site de Mohr Siebeck: https://viewer.content-select.com/pdf/viewer?id=1&id_type=isbn&identifiers=9783162007179&signature=9f7048b4f0e3fde0e7777bc12b691e001f5187b2&session=00000000-0000-0000-0000-000000000000

Corine Pelluchon examines the psychological and political obstacles standing in the way of the emergence of a new ecological Enlightenment, the basic principles of which she has developed in her books. Her starting point is the thesis that the current ecological and democratic crises cannot be understood without analyzing the system of domination that structures our relationships with other people, animals, nature, and with ourselves. In dialogue with phenomenology, critical theory, and existentialism, the analysis uncovers the anthropological roots of modern destructiveness: the refusal to acknowledge one’s own vulnerability, the denial of death, fantasies of omnipotence, and the decoupling of technical rationality from responsibility. The author demonstrates that these mechanisms give rise to a culture of death, which manifests itself in the trivialization of violence, the destruction of life, and the erosion of democratic institutions. Violence against animals, ecological extractivism, and the growing susceptibility to authoritarian populist discourses thus appear as interconnected expressions of the same imaginary of domination and the same denial of mortality. In response to these dynamics, the essay introduces the concept of consideratio. It refers to a way of being that forms the foundation for the virtues enabling us to find joy in changing our lifestyle. It is based on a deepening of our self-awareness as vulnerable, born, and mortal beings, through which we intensely experience our belonging to the shared world. This experience leads to an expansion of subjectivity, which Corine Pelluchon calls transdescendence. This transformation of our relationship to ourselves and to others forms the ethical and political prerequisite for an ecological democracy. At the same time, it opens the possibility of a hope, not to be understood as optimism, but as the ability to recognize, despite the crises, the harbingers of a new horizon – a perspective that gives us the energy to reframe the future.
Corine Pelluchon untersucht die psychischen und politischen Hindernisse, die dem Aufkommen einer neuen ökologischen Aufklärung entgegenstehen, deren Grundzüge sie in ihren Büchern entwickelt hat. Ausgangspunkt ist die These, dass sich die gegenwärtigen ökologischen und demokratischen Krisen nicht verstehen lassen, ohne das Herrschaftsschema zu analysieren, das unser Verhältnis zu anderen Menschen, zu Tieren, zur Natur und zu uns selbst strukturiert. Im Dialog mit der Phänomenologie, der Kritischen Theorie und dem Existentialismus legt die Analyse die anthropologischen Wurzeln der modernen Destruktivität frei: die Verweigerung der eigenen Verletzlichkeit, die Verleugnung des Todes, Allmachtsphantasien sowie die Entkopplung technischer Rationalität von Verantwortung. Die Autorin zeigt, dass diese Mechanismen eine Kultur des Todes hervorbringen, die sich in der Banalisierung von Gewalt, der Zerstörung des Lebendigen und der Erosion demokratischer Institutionen manifestiert. Gewalt gegen Tiere, ökologischer Extraktivismus und die wachsende Anfälligkeit für autoritäre populistische Diskurse erscheinen so als miteinander verknüpfte Ausdrucksformen desselben Herrschaftsimaginären und derselben Verleugnung der Endlichkeit. Als Antwort auf diese Dynamiken entwickelt der Essay den Begriff consideratio. Sie bezeichnet eine Seinsweise, die die Voraussetzung jener Tugenden bildet, die uns befähigen, Freude daran zu finden, unseren Lebensstil zu verändern. Sie beruht auf einer Vertiefung unserer Selbsterkenntnis als verletzliche, gezeugte und sterbliche Wesen, durch die wir unsere Zugehörigkeit zur gemeinsamen Welt intensiv erfahren. Diese Erfahrung führt zu einer Erweiterung der Subjektivität, die Corine Pelluchon Transdeszendenz nennt. Diese Transformation unseres Verhältnisses zu uns selbst und zu anderen bildet die ethische und politische Voraussetzung einer ökologischen Demokratie. Zugleich eröffnet sie die Möglichkeit einer Hoffnung, die nicht als Optimismus zu verstehen ist, sondern als Fähigkeit, trotz der Krisen die Vorboten eines neuen Horizonts zu erkennen – einer Perspektive, die uns die Energie verleiht, die Zukunft neu auszurichten.